NEUE WELTEN

Amatl

Digitale Ausstellung
ausgewählter Objekte
der ethnografischen Sammlung
der Naturforschenden Gesellschaft zu Emden von 1814
im Rahmen
der Interkulturellen Wochen 2021

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In den letzten zehn Jahren konnte die Naturforschende Gesellschaft zu Emden von 1814 ihren ethnografischen Bestand erheblich erweitern, indem sie einige private ethnografische Sammlungen übernahm. Dazu gehören auf Reisen zusammengetragene Stücke wie die des Emder Unternehmers Friedrich Detering und die Schenkung Uda Kortkampf / Stephan-Gerhard Koziolek. Weiterhin kamen vor Ort in Afrika erworbene Gegenstände, die zur lokalen interkulturellen Bildung in Emden herangezogen wurden, hinzu. Nicht zuletzt soll versucht werden, einen neuen Sammlungsbereich aufzubauen, wofür Caroline Schott einige Gegenstände beisteuerte.

Die Besonderheit der Objekte liegt aber nicht nur in der erst kürzlichen Erwerbung, sondern auch in ihrer Aktualität. Sämtliche Gegenstände wurden in den 1980er Jahren oder später gesammelt und hergestellt. Damit zeigen sie zum einen ein zeitgenössisches Bild der Indigenen, zum anderen die Beziehung der lokalen Bevölkerung zu fremden Kulturen. Diese digitale Ausstellung möchte einen Blick auf aktuelle Strömungen der indigenen Kunst- und Souvenirproduktion werfen ohne die regionalen Bezüge außer Acht zu lassen.

Inhaltsverzeichnis

Sammlung Friedrich Detering / Schenkung Anke Dekker

Friedrich Detering, der in Emden ein Unternehmen führte, muss schon früh eine Faszination für fremde Länder und das Reisen gehabt haben. Schon ab Ende der 1950er Jahre unternahm er Segelreisen innerhalb von Europa. Später kamen Jagdreisen nach Ost- und Südwestafrika sowie Kanada hinzu. Als er dann aber in Pension gegangen war, schien ihn eine wahre Reiselust gepackt zu haben. Es folgten unzählige Reisen zu den verschiedensten Orten der Erde, darunter einige Weltreisen. Außer der Antarktis scheint er alle Kontinente besucht zu haben.

Bei der Organisation der Reisen stützte sich Friedrich Detering auf Reiseveranstalter. Hierbei wählte er Unternehmen, die über die zu bereisenden Kulturen intensiv informierten und auch Wege fernab der gewöhnlichen Touristenpfade beschritten. Einzelne Teile bewältigte er auch selbst, zum Beispiel, wenn diese Strecken per Segelyacht oder Motorrad zurückgelegt werden konnten.

So geschah es auch von 1989 bis 1990 bei einer Reise nach Nord- und Mittelamerika. Nach einem Zwischenstopp auf den Bermudas begab sich Friedrich Detering auf verschiedenste Inseln in der Karibik, die er teilweise mit der Segelyacht anlief. Anschließend führte ihn sein Weg nach Mexico, wo er zunächst abgeschieden wohnende Indigene besuchte und anschließend eine Motorradtour bis in die USA machte. In San Francisco endete diese abenteuerliche Reise.

Während seiner Reisen beschäftigte sich Friedrich Detering intensiv mit seinen Reisezielen und den Menschen dort. Dazu gehörte es für ihn, indigene Handwerkskunst zu sammeln. Dies ging von kleineren Stücken, die auch in einem Rucksack Platz fanden, bis hin zu größeren Objekten, die per Post nach Hause geschickt werden mussten.

Zu ersterer Kategorie gehört ein Amatl-Bild aus Mexico, welches der Reisende von der eben beschriebenen Tour mitbrachte. Bei diesem Bild handelt es sich um Papier, welches aus der Rinde von verschiedenen Feigenbaumarten hergestellt und anschließend von Hand bemalt wurde. Die Darstellungen variieren. Zum einen lehnen sie sich an traditionelle Motive, die stark abstrahiert sind, an. Zum anderen werden europäische Einflüsse verarbeitet und Tierbilder, Blumenmotive und christliche Symbole gemalt.

Amatl

Amatl

Amatl
Lateinamerika, Mexico, Guerrero
Nahua / Macehualtin
Sammlung Friedrich Detering / Schenkung Anke Dekker 2018
1989
Feigenbaumrinde, Pigmente
H: 13,7 cm, B: 9,0 cm

Ethn 1181

Dieses Bild zeigt einen Vogel vor mehreren Blumen und ist also europäisch inspiriert. Die Kunst der Herstellung derartigen Papiers geht bis in vorspanische Zeit zurück. Auch werden traditionellen Schöpfungen magische Kräfte zugesprochen und sie werden rituell verwendet.

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts aber wird diese Kunst auch kommerziell genutzt, so dass solche Bildwerke ein typisches Reisemitbringsel aus Mexico darstellen.

Zu den beliebtesten Reisezielen von Friedrich Detering hat mit Sicherheit Ozeanien gehört. Neben Neuguinea und Französisch-Polynesien bereiste er dabei auch die Fiji-Inseln. Auch hier sammelte er Informationen zu der Inselgruppe und zu dort verbreitetem Handwerk. Die von ihm auf Fiji erworbenen Kulturgüter nehmen einen umfangreichen Platz in seinen Sammlungen ein.

Keulen

Keule
Bild: Ingrid Thiel

Die Menschen auf Fiji erlebten während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine sehr kriegerische Zeit, in der es ratsam war, immer Waffen bei sich zu führen. Zu den gebräuchlichsten dieser Waffen gehörten Keulen. Damals waren mehrere Wurfkeulen ein ständiger Begleiter des Mannes, wenn dieser das Haus verließ. Sie gehörten zu seiner Ausstattung wie in früheren Zeiten in Europa das Schwert. Die Keulen wiesen die unterschiedlichsten Formen auf, so zum Beispiel mit langem Schaft und flachem, spatenförmigem Kopf, langem Schaft und einem Kopf wie eine Ananas oder Pandanusfrucht, oder mit kurzem Schaft und rundem, wurzelähnlichem Kopf. Außer diesen existierten noch viele weitere Varianten. Sie wurden zum Werfen, Schlagen, Stoßen, Stechen und Durchdringen von Körperteilen genutzt. Gelegenheiten zum Einsatz boten aber nicht nur Jagd und Krieg, sondern auch Wettkämpfe und Zeremonien, dann als Tanz-, Prestige- und Ritualobjekt.

Keule

Keule totokia (Hochformat)
Ozeanien, Polynesien, Fiji
Sammlung Friedrich Detering / Schenkung Anke Dekker 2018
Ende 1980er / Anfang 1990er Jahre
Hartholz (Eisenholz ?), Kokosfaser
L: 81,0 cm; D (Kopf): 10,5 cm; L (Kopf): 27,0 cm

Ethn 745

Wurfkeule i ula (Querformat)
Ozeanien, Polynesien, Fiji
Sammlung Friedrich Detering / Schenkung Anke Dekker 2018
Ende 1980er / Anfang 1990er Jahre
Hartholz (Eisenholz ?), Walzahn (?)
L: 49,5 cm; D (Kopf): 14,5 cm

Ethn 741

Die Herstellung der Keulen geschah durch Spezialisten und war äußerst aufwändig und zeitintensiv. Dies ist bei der Vielfältigkeit dieser Waffen auf Fiji verständlich. Friedrich Detering hat während seines Besuchs auf Fiji eine Auswahl an historisch nachempfundenen Keulen erworben. Dies wird nicht nur an der Form, sondern auch an den an Kopf und Stiel eingeschnitzten geometrischen Mustern und Einkerbungen, die eine traditionelle Basis haben, deutlich. Seine Sammlung zeigt viele verschiedenartige Keulen und damit die gesamte Bandbreite der dort verbreiteten Keulenarten. Daran wird ersichtlich, dass sich der Reisende mit seinen Reisezielen auseinandersetzte und an den indigenen Traditionen interessiert war.

Keule

Wurfkeule i ula tavatava (Querformat)
Ozeanien, Polynesien, Fiji
Sammlung Friedrich Detering / Schenkung Anke Dekker 2018
Ende 1980er / Anfang 1990er Jahre
Holz
L: 39,0 cm; D (Kopf): 9,5 cm

Ethn 744

Keule culacula (Hochformat)
Ozeanien, Polynesien, Fiji
Sammlung Friedrich Detering / Schenkung Anke Dekker 2018
Ende 1980er / Anfang 1990er Jahre
Hartholz (Eisenholz ?), Kokosfaser
L: 102,5 cm; B (Kopf): 20,5 cm

Ethn 738

Keule
Bild: Ingrid Thiel

Schenkung Uda Kortkampf / Stephan-Gerhard Koziolek

Am Anfang des Jahres 2018 konnte die Naturforschende Gesellschaft zu Emden von 1814 eine Sammlung von etwa 70 zeitgenössischen afrikanischen Gegenständen in Empfang nehmen, die von Stephan-Gerhard Koziolek, Direktor der NfG, und Uda Kortkampf, stellvertretende Direktorin, erworben und als Schenkung weitergegeben wurde. Die Sammlung weist eine Bandbreite von an die klassische afrikanische Kunst und Handwerk angelehnten Stücken auf. Dazu gehört neben Holzschnitzereien und traditionellen Haushaltsgegenständen auch Schmuck.

Ketten

Schmuck galt und gilt im Subsaharischen Afrika – wie in Europa – als Status- und Prestigeobjekt. Deshalb wurde er oft von Würdenträgern und anderen hochrangigen Mitgliedern der Gesellschaft getragen. In manchen Ländern, zum Beispiel Kamerun, war er sogar Amtszeichen und wurde über Generationen weitervererbt. Für die Herstellung von Schmuckketten kamen die unterschiedlichsten Materialien in Frage. Neben Holzscheibchen, Steinperlen, Samen und Fruchtperlen waren vor allem Glasperlen relevant. Glasperlen besaßen einen hohen Wert und galten über Jahrhunderte als kostbares Handelsgut. Mit ihnen wurden so wertvolle Güter wie Gold, Weihrauch, Schildpatt, Elfenbein und sogar Sklaven eingehandelt. Zunächst wurden die Perlen massenweise aus Europa, vor allem Venedig, eingeführt, später, ab dem 16. Jahrhundert wurden sie in manchen Teilen Afrikas selbst hergestellt.

Kette
Bild: Ingrid Thiel

Ketten mit Glasperlen

Afrika, Subsaharisches Afrika
Schenkung Uda Kortkampf / Stephan-Gerhard Koziolek 2018
Ende 20. / Anfang 21. Jh.
Glasperlen, Kunststoff, Edelstahl, Pigmente
Ethn 1052: L: 58,0 cm; D Perle): 1,3 cm
Ethn 1053: L: 56,5 cm; D (Perle): 1,3 cm

Ethn 1052, Ethn 1053

Kette
Bild: Ingrid Thiel

Heute werden bei der Herstellung von Schmuck auch moderne Materialien verwendet. Dies ist an diesen beiden Ketten ebenfalls ersichtlich. Die etwas größeren Schmuckperlen aus grünem Glas und die weiteren Perlen sind auf moderner Nylonschnur aufgefädelt. Geschlossen wird die Kette mit einem modernen Verschluss aus Edelstahl. Die farbenfrohe Gestaltung in Grün, Braun, Rot, teilweise Gelb und Weiß zeugt dagegen von traditionellem Stil. Das auf den größeren Perlen aufgemalte Motiv, ein Auge, scheint ebenso ältere Wurzeln zu haben.

Figur

Figur
Bild: Caroline Schott

Plastik

Afrika, Subsaharisches Afrika, Kenia (?)

Schenkung Uda Kortkampf / Stephan-Gerhard Koziolek 2018

Ende 20. / Anfang 21. Jh.

Ebenholz

H: 17,0 cm; B: 4,5 cm; T: 5,0 cm

Ethn 1083

Figur
Bild: Caroline Schott

Diese Plastik zeigt einen älteren, auf einem Hocker sitzenden Mann. Das Gesicht ist langgezogen, die Ohren übergroß. Sein Kinn hat der Mann nachdenklich auf die rechte Hand gestützt. In seiner Gesamtheit drückt die Figur eine klassische philosophische Haltung aus. Im Subsaharischen Afrika wurden alte Menschen geschätzt, was in einigen Gesellschaften bis hin zur Gerontokratie führte. Mit ihrer Weisheit und Lebenserfahrung konnten sie auf wichtige Entscheidungen in der Gemeinschaft Einfluss nehmen. Diese Plastik verkörpert einen solchen weisen Mann, dessen aktives Arbeitsleben hinter ihm liegt und der nun seine Gruppe mit geistiger Stärke unterstützt.

Mit etwa 17 cm Höhe gehört diese Figur wohl auch zu touristischen Artefakten, die bei einer Reise vor Ort erworben und dann im Rucksack mit nach Hause transportiert werden konnten. Trotzdem weist diese Arbeit eine hohe Qualität auf. Typisch afrikanisch ist, dass sie aus einem Stück hergestellt wurde. Das wesentlichste Qualitätsmerkmal ist aber das Material, ist die Figur doch aus Ebenholz gefertigt. Ebenholz ist ein sehr hartes Holz, welches schwer zu bearbeiten ist. Hierfür sind deshalb zum einen besondere Kenntnisse nötig, zum anderen erfordert die Herstellung eine gewisse Zeit. Bei weniger aufwändigen Arbeiten verwenden die Schnitzer oftmals weiches, helles Holz, welches schnell verarbeitet und anschließend mit Schuhcreme oder Schuhwachs geschwärzt wird. Die hier vorhandene Plastik aus Ebenholz stellt also eine hochwertige Arbeit dar, auch wenn sie für einen fremden Markt produziert wurde.

Sammlung Kindergarten Rote Mühle

Mit Hilfe einer Spendenaktion unter Mitgliedern der Naturforschenden Gesellschaft zu Emden von 1814 konnte die NfG Ende 2020 die Übernahme einer Sammlung von Gegenständen aus dem Subsaharischen Afrika vom Emder Kindergarten „Rote Mühle“ in Emden realisieren. Auf diese Weise konnten die knapp 20 Objekte für die Emder Bevölkerung gesichert werden.

 In den 1980er und 1990er Jahren besuchten einige Kinder mit Vorfahren aus Westafrika diese von der evangelisch-reformierten Kirche betriebene Kita, was deren Leiter und Mitarbeiter zum Anlass nahmen, über afrikanische Kultur zu informieren. Dies geschah mit Hilfe von afrikanischen Gegenständen, die von einigen Eltern der Kinder direkt vor Ort auf den Märkten in Nigeria und Ghana gekauft worden waren.

Puppen

Neben klassischen afrikanischen Trommeln, Gewändern und anderem finden sich auch Puppen in der Sammlung. Diese hatten natürlich sowohl in Emden als auch in Westafrika zunächst dieselbe Funktion, nämlich Mädchen spielerisch auf ihre spätere Rolle als Mutter vorzubereiten.

Im Subsaharischen Afrika allerdings war die Beschäftigung mit Puppen nach dem Ende der Kindheit nicht vorbei. Während der Initiation, also der Aufnahme der Jugendlichen ins Erwachsenenalter, spielten nicht naturalistisch gestaltete und auf die wesentlichen Merkmale reduzierte Puppen eine wichtige Rolle. Auch Mutter-Kind-Darstellungen galten häufig als Fruchtbarkeitsdarstellungen und wurden von Priestern für Fruchtbarkeitsrituale hergestellt. In diesen Kulturen stellten Puppen selten ein reines Spielzeug für Mädchen dar.

Puppe
Bild: Caroline Schott

Puppe, gelbes Kleid
Afrika, Subsaharisches Afrika, Westafrika
Ankauf vom Kindergarten „Rote Mühle“, Emden Oktober 2020
1980er / 1990er Jahre
Textilie (Baumwolle), Pigmente
H: 44,0 cm; B: 22,0 cm; T: 17,0 cm

Ethn 1169

Puppe, rotes Kleid
Afrika, Subsaharisches Afrika, Westafrika
Ankauf vom Kindergarten „Rote Mühle“, Emden Oktober 2020
1980er / 1990er Jahre
Textilie (Baumwolle), Kunststoff
H: 37,0 cm; B: 28,0 cm; T: 8,0 cm

Ethn 1170

Puppe
Bild: Caroline Schott

Die hier vorhandenen Puppen sind modern und zeitgemäß gestaltet und als Spielzeugpuppen aufzufassen. Trotzdem kann angenommen werden, dass die Mitarbeiter der Emder Kita ihre Schützlinge über die breite Bedeutung der Puppen im Subsaharischen Afrika informierten. Und nicht zuletzt fördert auch die alltägliche spielerische Beschäftigung mit anderen Kulturen Toleranz und Weltoffenheit.

Häuptlingstisch und Häuptlingsschemel

Vom Ende des 17. Jahrhunderts bis 1874 waren die Ashanti in einer Konföderation zusammengeschlossen, deren Fläche ungefähr dem heutigen Ghana entspricht. Dieser Konföderation stand ein Führer vor, der von manchen Anhängern als König anerkannt wurde. Dieser Anführer nutzte zum Sitzen einen goldenen Hocker.

Mit der Benutzung eines Hockers als Sitzgelegenheit unterschied sich der Anführer von den meisten seiner Mitmenschen. Lediglich höher gestellten Personen wie Königen, Häuptlingen und Würdenträgern war es gestattet, auf handwerklich hergestellten Hockern zu sitzen. Für letztere bestanden diese aus Holz wie das Stück, welches sich jetzt in den Sammlungen der NfG befindet.

Tisch
Bild: Caroline Schott

Häuptlingstisch
Afrika, Subsaharisches Afrika, Westafrika, Ghana
Akan, Ashanti (?)
Ankauf vom Kindergarten „Rote Mühle“, Emden Oktober 2020
1980er / 1990er Jahre
Holz
H: 56,5 cm; B: 82,0 cm; T: 51,0 cm

Ethn 1156

Häuptlingsschemel
Afrika, Subsaharisches Afrika, Westafrika, Ghana
Akan, Ashanti (?)
Ankauf vom Kindergarten „Rote Mühle“, Emden Oktober 2020
1980er / 1990er Jahre
Holz
H: 55,0 cm; B: 61,5 cm; T: 40,0 cm

Ethn 1157

Bild: Caroline Schott

Ein solcher Häuptlingshocker und auch der Häuptlingstisch spielten bei den Akan eine bedeutende Rolle in der Ahnenverehrung. Auf dem Tisch wurden bei Zeremonien Speisen und Getränke für die Vorfahren geopfert und der Schemel galt als Sitz eines Ahns. Mittels der Rituale zur Ahnenverehrung sollte zum einen die Erinnerung an frühere Ahnen aufrechterhalten werden, zum anderen sollten sie die Stellung des Häuptlings als politischer und religiöser Führer festigen. Trotzdem besaß ein Anführer der Akan nicht unbegrenzte Macht wie in europäischen Gesellschaften, sondern er musste im Sinne und zum Wohle seines Volkes handeln. Er galt als Mittler zwischen Lebenden und Ahnen, Fehlverhalten von seiner Seite hätte sich auf die gesamte Gemeinschaft negativ ausgewirkt.

Diese Hintergründe wurden Ende des 20. Jahrhunderts sicher nicht in ihrer ganzen Komplexität den Kindern der Kita Rote Mühle in Emden dargelegt. Es wurde aber sicher weitergegeben, dass es in Afrika nicht nur Zeiten einfacher ökonomischer und materieller Bedingungen sowie kriegerische Zustände gibt, sondern einst auch komplexe Gesellschaften mit Königen und Würdenträgern existierten. Die Gegenstände bildeten mit Sicherheit den Ausgangspunkt, um ein differenziertes Bild von Ghana und Gesamt-Afrika zu vermitteln.

Schenkung Caroline Schott

Kachinas

Ursprünglich lebten die Navajo als Jäger und Sammler in den subarktischen Regionen Nordamerikas. Erst kurz vor Ankunft der Europäer wanderten sie in den Nordwesten der heutigen USA ein, wo sie seitdem siedeln. Sie ließen sich sowohl auf die Kultur der dort wohnenden Pueblogemeinschaften ein als auch auf Lebensformen der Weißen. Von ersteren lernten sie den Anbau von Mais, von letzteren übernahmen sie, trotz konfliktreicher Auseinandersetzungen, die Schaf- und Pferdezucht. Innerhalb von 300 Jahren entwickelten sie sich von einer sich wildbeuterisch ernährenden Gruppe zu Maisbauern und berittenen Schafzüchtern.

Traditionell ist auch heute die Schafzucht noch wichtig, aber natürlich existieren darüber hinaus noch viele weitere, an die heutige Zeit angepasste Lebensformen und Tätigkeitsbereiche. Dazu gehören die Herstellung und der Verkauf von Schmuck und anderem Kunsthandwerk an Weiße oder Touristen. Und auch hier beweisen die Navajos ihre Flexibilität. Denn Kachinas, wie sie hier zu sehen sind, haben sie ebenfalls von anderen Pueblogruppen wie den Hopi oder Zuñi übernommen.

Kachina
Bild: Caroline Schott

Mais Kachina
Phil Corley
Nordamerika, USA, New Mexico
Native Americans, Navajo
Schenkung Caroline Schott 2021
2021
Holz (Pappelholz?), Textilie, Leder, Kunststoff, Federn, Messing, Pigmente
H: 31,0 cm; B max. 9,5 cm; T: 11,0 cm

Ethn 1215

Kachina
Bild: Caroline Schott
Kachina
Bild: Caroline Schott

Reifentänzer Kachina
Rosita Candelaria
Nordamerika, USA, New Mexico
Native Americans, Navajo
Schenkung Caroline Schott 2021
2021
Holz (Pappelholz?), Textilie, Leder, Kunststoff, Federn, Messing, Pigmente
H: 32,0 cm; B: 15,5 cm; T: 16,0 cm

Ethn 1216

Kachina
Bild: Caroline Schott

Kachinas stellen Ahnengeister dar, die zu den Göttern vermitteln, Fruchtbarkeit für die Felder bringen und damit das Überleben der Gruppe sichern. In zahlreichen Zeremonien, die zwischen der Winter- und der Sommersonnenwende stattfinden, treten sie auf und werden verehrt. Jungen lernen die verschiedenartigen Wesen, die sie nach der Initiation selbst in Maskentänzen verkörpern, in der Zeremonialhütte kennen. Mädchen dagegen werden Abbilder derselben in Form von Puppen geschenkt, um sie spielerisch in die Vielfalt der göttlichen Wesen und deren Verehrung einzuführen. Die Hopi kennen über 200 verschiedene Kachinas. Eine genaue Anzahl lässt sich nur schätzen, da ihre Verehrung ebenfalls Änderungen unterliegt. Sie können an ihrer Maske, der Körperbemalung, Kleidung, in den Tänzen nach ihrem Ruf, Gesang und der Art des Tanzes unterschieden werden.

Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts waren Kachinas unter weißen Reisenden ein beliebtes Souvenir, war an ihnen doch die Komplexität des religiösen Systems aufzeigbar. Heute, in aufwändigeren Techniken hergestellt, sind sie vom Kunstmarkt nicht mehr wegzudenken. Ihre Produktion sichert den Schnitzern und Künstlern ein sicheres Einkommen. 1985 begannen auch die Navajos, derartige Figuren herzustellen. Dies ist ein Zeichen mehr für die Anpassungsfähigkeit ihrer Kultur.

Bentwood Boxes

Bentwood Boxes sind unter den Native Americans der amerikanischen Nordwestküste einzigartig. In früheren Zeiten existierten sie in unterschiedlichsten Größen für alles, was das alltägliche Leben eines Menschen erforderte. Sie wurden also sowohl für praktische Zwecke wie zum Kochen oder Lagern genutzt als auch für symbolische. Erstere waren einfacher gearbeitet und in ihnen wurden alltägliche Kleidungsstücke und Haushaltsgeräte aufbewahrt. Aufwändiger verzierte präsentierte man bei Festen und Zeremonien vor Gästen, verwahrte Statussymbole oder bestattete in ihnen sogar Tote.

Das Besondere an den Bentwood Boxes ist ihre Herstellungsweise. Der Körper der Dose wird aus einem einzigen Stück Holz der Roten oder Weißen Zeder gebildet, welches gekerbt, unter Wasserdampf erhitzt und anschließend gebogen wird. Die zu schließende Kante wird zusammengepflockt, der Boden eingesetzt. Ein Deckel bildet den Abschluss des Ganzen. Dosen für anspruchsvollere Zwecke wurden beschnitzt oder bemalt, in der Regel mit mythologischen Motiven wie Totemtieren oder anderen mythischen Wesen. Eine weitere Besonderheit ist, dass die dargestellten Tiere auf allen vier Seiten der Dose schablonenartig aufgebracht wurden, so dass jede Seite die gleiche Ansicht bot.

Dose
Bild: Caroline Schott

Dose
James H. Michels
Nordamerika, Kanada, Nordwestküste
Native Americans, Cree
Schenkung Caroline Schott 2020
2020
Holz (weiße od. rote Zeder), Pigmente
H: 16,5 cm; B: 11,5 cm; T: 11,5 cm

Ethn 1177

Dose
Bild: Caroline Schott

Dose
James H. Michels
Nordamerika, Kanada, Nordwestküste
Native Americans, Cree
Schenkung Caroline Schott 2020
2020
Holz (weiße od. rote Zeder), Pigmente
H: 16,5 cm; B: 11,5 cm; T: 11,5 cm

Ethn 1178

Dose
Bild: Caroline Schott
Dose
Bild: Caroline Schott

Heute gehören Bentwood Boxes zu den klassischen Kulturgütern der Native Americans der Nordwestküste. Sie werden direkt für den Kunstmarkt hergestellt und auf diesem gehandelt. In ihrer Ausprägung sind sie hierbei meist von geringerer Größe als die originalen und mit individuellen Designs verziert.

Auf den hier vorhandenen Dosen sind traditionelle Motive wie ein Bär und ein Adler zu sehen. Geschaffen wurden sie von dem Künstler James H. Michels. Dieser, ein geborener Métis / Cree, fand mit 16 Jahren zur indigenen Kunst, was durch anschließende Reisen und einer Lehre in den Bereichen Holzschnitzerei, Design und Malerei bei Nordwestküsten Natives noch vertieft wurde. Seit 1994 widmet er sich ausschließlich künstlerischen Tätigkeiten. Zu seinen Erfolgen gehört, die mit 0,5 Zoll kleinste Bentwooddose der Welt geschaffen zu haben.

Beitrag: Caroline Schott, M. A.

Deckblatt Flyer

Den Flyer zum Emder Programm der Interkulturellen Woche 2021 finden Sie als pdf-Datei auf der Website der Stadt Emden:
https://www.emden.de/fileadmin/media/stadtemden/PDF/FB_500/FD_551/Interkulturelle_Wochen/ikw2021_programm.pdf

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